Samstag, 9. Juli 2011

Intermezzo

Debbie und Sandro in der Ferne? Weltluft?
War da nicht schon mal was?
Doch, doch, treue Blog-Wiedereinsteiger, Quereinsteiger und Zusteiger, vor 736 Tagen meldeten wir uns hier letztmals mit einer Brise Weltluft in der Nase bei euch auf dem Bildschirm.
Viel Wasser ist seither die Aare und den Ganges runter geflossen, einige treue Spitex-Kunden hat Debbie aufgepäppelt, zig Einsen und Nullen wurden von Sandro an der Fachhochschule neu getischelt und einige Erinnerungen der wunderbaren „Weltluft“-Reise begannen langsam welk zu werden.
Aber genug des Resümierens, um nostalgisch zu werden, gibt es keinen Grund, nicht jetzt und nicht heute!
Denn jetzt und hier startet ein neues, kurzes Intermezzo auf Weltluft, ein Intermezzo von Debbie und Sandro in der Ferne…
Um uns die Schreiberei nicht zu einfach zu machen, haben wir uns extra ein Reiseziel ausgesucht, wo Blogs nicht gemocht werden.  Der Mensch wächst ja bekanntlich am Widerstand und darum verschieben wir unser zwei Personen-Aussenkorrespondenz-Unternehmen in ein Land, wo Blogs gesperrt sind.
(Merkt Ihr es? Angestrengt versuchen wir, hier die Spannung etwas aufzubauen, aber mit euch funktioniert das nicht… Ihr Schlaumeier habt bestimmt im Titel schon gelesen, dass es uns nach China verschlägt, hä? Wenn nicht, umso besser: uns verschlägst nach China! (Nun sollten Schlaumeier und Überflieger wieder auf dem gleichen Stand sein)).

Jetzt, wo die Spannung ja schon mal ruiniert ist, können wir ungeniert trocken, noch ein paar Fakten zum Besten geben: Unsere Reise führt uns am 19. Juli von Zürich über Frankfurt nach Peking, vierundzwanzig Tage später schon wieder zurück zum Ausgangspunkt. Impfungen noch aktuell. Visum erhalten. „Lonely Planet“ druckfrisch eingepackt und Rucksäcke geflickt.
Voilà, erstes Fakten-Bouquet wäre also deponiert.





PS Habt ihr es gelesen, „nur“ vierundzwanzig Tage? Wollt ihr uns also mit einem Kommentar beglücken, zögert nicht zu lange…
PPS Neben uns sehen wir ein T-Shirt, einen Kugelschreiber, ein Handyakku, eine Schere, ein Portemonnaie, einen I-Pod – alles made in China.
PPPS Liebes China, Geburtsstätte westlichen Wohlstandes, Wiege praktisch aller Gebrauchsgüter und Mutter des Kung-Fu, wir freuen uns auf dich! – bitte zensiere uns nicht…

Freitag, 3. Juli 2009

Nach Hause - The End

Hallo oder wie es gemäss Kloten Flughafen auf typisch schweizerisch heisst: "Grüezi" (- mit scharfem "i")
Wir wären nun also wieder zu Hause und sehen ein, dass wir diese Tatsache auch auf dem Blog noch kurz bestätigen sollten.

Auf was wir aber verzichten müssen und somit auch ihr, ist ein Abschlussbericht und eine Zusammenfassung unserer Reiseerlebnisse. Viel zu vielfältig waren unsere Erlebnisse und Eindrücke, um sie mit unseren bescheidenen Schreiberfertigkeiten gut leseverträglich auf einen Nenner zu bringen...

Nichtsdestotrotz, wollen wir euch eine Schilderung der letzten Tage nicht vorenthalten und hoffen, dass ihr auch mit uns vorlieb nehmen könnt, wenn wir nicht in schriftlicher Form auf dem Bildschirm auftreten.
Die letzten Tage in Bangkok vergingen wie im Flug. Gut, das Onboard-Entertainment-System und die Qatar-Flugsocken haben damals noch gefehlt, abgesehen davon, verlief aber alles turbulenzenfrei und etwa mit 950 km/h.
Sogar der Flughafenbus ist dem Bangkoker Stau so gekonnt ausgewichen, dass wir am Flughafen noch problemlos genug Zeit gehabt hätten, einer Demonstration der Taksin-Anhänger aus dem Weg zu gehen.
Auch diese blieb aber gänzlich aus und so blieb keine Möglichkeit mehr, den nahenden Gedanken an die Ankunft zu Hause auszuweichen.
Nicht, dass wir uns nicht auf das Wiedersehen mit unseren Lieben gefreut hätten, gar nicht, aber der Gedanke, an diesen Moment des Zusammentreffens nach 220 Tagen, hat uns beide doch sehr nervös gemacht.
Nach dem Qatar-Flug, erneut mit ausgezeichnetem Service, konnten uns dann aber auch unsere weichen Knie nicht daran hindern, unter dem "Keine Waren zu verzollen"-Schild zu unseren herzlichen Empfängern zu schreiten.

Alles war tip-top organisiert und so sassen wir schon knappe zwei Stunden später alle zusammen beim heimischen Brunch...

So haben sie uns das nach Hause kommen doch leicht gemacht. Vergessen haben sie einzig, ausser planmässig für uns an diesem 26. Juni die Heizung an zu stellen. Wir können verstehen, dass es "ausser planmässig" in der Schweiz nicht gibt und eine Inbetriebnahme der Heizung ökologisch fragwürdig gewesen wäre. Unsere Füsse genossen jedoch nicht soviel Einsicht und so erlebten sie, trotz herrlichem Duvet, die für sie schlimmste Nacht der letzten acht Monate.
Im Grossen und Ganzen meint es das Schweizer Wetter ja aber sehr gut mit uns und so wagen wir auch nur in trauter Zweisamkeit und bei verschlossener Tür, leise darüber zu klagen, dass es doch besser noch ein paar Grädchen wärmer wäre... ;-)

Wir beide haben glücklicherweise noch etwas Ferien. Sandro bis im August sein Fachhochschulstudium Informatik in Biel beginnt und Debbie, bis sie eine neue Stelle gefunden hat. (Wer eine Anstellung für eine dipl. Pflegefachfrau Schwerpunkt Psychiatrie im Raum Bern, am besten mit geregelten Arbeitszeiten zu bieten hätte, darf sich gerne mit Debbie in Verbindung setzen.)
Wer uns alternativ zu unseren Plänen für eine Berichterstattung der eigenen Weltreise engagieren möchte (bei Kost, Logie und Verkehrsmittel sind wir sehr stille, anspruchslose und diskrete Reisebegleiter) soll doch auch dies bitte bei uns deponieren.

Noch ein Wort zu unserem Blog: Es hat uns extrem gefreut, dass ihr so zahlreich und regelmässig unsere Reise mitverfolgt habt!!!
Einige von euch haben uns mitgeteilt, dass sie unsere Zeilen regelmässig während der Arbeitszeit gelesen haben. Wenn irgend möglich, möchten wir die Verantwortung für den volkswirtschaftlichen Schaden in diesen wirtschaftlich schweren Zeiten aber von uns weisen. Wenn ihr Geldvorderungen und Schuldzuweisungen also von uns halten könnt, bleibt uns einzig ein grosser Dank an euch übrig! Danke habt ihr so regelmässig mit gelesen, danke haben uns einige von euch auch regelmässig liebe Kommentare und Mails geschrieben.



PS (Da wir wieder zu Hause sind, getrauen wir uns nicht mehr, dieses "P.S.:" in einer nicht Duden konformen Art zu schreiben) Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!

Dienstag, 23. Juni 2009

Go west (in Kuerze)

In Bangkok gibt es so viel zu sehen und zu erledigen, dass wir, obwohl von der Insel noch frisch ausgeruht, kaum Zeit finden, das Erlebte schriftlich mitzuteilen.
Die Sandflohbisse sind vergangen, das Hautbild ist von der Sonne nach wie vor um fuenf Jahre gealtert und der Sand ist langsam aus unseren Schuhen und Kleidern verschwunden.
In der Hauptstadt haben wir unser Lieblingsquartier bezogen und haben bald damit angefangen, ueberfaellige Erledigungen zu taetigen.
So hat sich der chronisch zum WC Hingezogene endlich zu einem Arzt gewagt und war vom guten Service ueberzeugt. Ohne Anmeldung kann man einfach in eine luxerioese, moderne Klinik marschieren, sich von einem Arzt auf englisch beraten lassen und das Labor teilt die Untersuchungsergebnisse bereits einen halben Tag spaeter mit. Alles wirkt sehr zuverlaessig, modern und die ganze Behandlung kostet inkl. Medikament nicht viel mehr, als die diskutierte Praxisgebuehr in der Schweiz. (-> Die wild gewordenen Darmwindungen scheinen besaenftigt zu sein)

Weil uns die innere Wiederherstellung noch nicht ganz gereicht hat, gaben wir unser oberes, aeusseres Erscheinungsbild in die Haende eines Frisoers. Wobei das Ergebnis bei Debbie sehr erfreulich ausgefallen ist, kann man bei Sandro von wenig Erfolg sprechen...
Er ist froh, steht in naechster Zeit kein Vorstellungsgespraech an, denn ausser bei der Armee oder anderen Kaebslivereinen, wuerde diese knappe Haartracht wahrscheinlich nirgends ins Profil passen.

Weil man in diesem Land also nicht einmal im Gesundheitswesen sein Geld gross verlieren kann, war klar, dass wir uns nach anderen Investitionen umsehen mussten.
Der grosse Wochenendmarkt schien dafuer geeignet. Zwei Tage lang haben wir gefeilscht, gesucht, gekauft und gestaunt.
Relativ rasch wurde klar, dass die 20 Kg-Gepaeckslimite bedrohlicher wird, als die zur Neige gehenden finanziellen Mittel.

Einige Verhandlungen liefen durchaus erstaunlich, ja belustigend:

- Wieviel kostet dieses T-Shirt?
> 199 B
- Oh, das ist zuviel.
> Wieviel wollen Sie bezahlen?
- Hm, hoechstens 90 B
> OK!
So wird man schneller zum Besitzer von neuen Waren, als man gedacht hat. Weil jeder (fast jeder) Wochenendmarkt am Sonntagabend endet, wir uns aber noch immer im Kaufrausch befanden, wechselten wir am Montag in ein grosses Warenhaus. Dort ist es zwar unangenehm kuehl, shoppen kann man aber auch! ;-)


Da praktisch jedes groessere Warenhaus auch ueber einen Kino verfuegt (meist mit etwa acht Saelen) lockerten wir unsere Warenraubzuege jeweils mit einem Film etwas auf. Der neue Pixar Film "Up" war unterhaltsam, wobei der Film "17 again" wohl der schlechteste Film war, den wir je gesehen haben..!
Diese Kinos mussten waehrend "Titanic" der Renner gewesen sein. Auch mit Faserpelz fuehlt man sich den Erfrierungsopfern schnell sehr nahe.

P.S.: Sattelt die Pferde, wir reiten aus!

Sonntag, 14. Juni 2009

Dolce far niente am Sonntag!

Den Anlass fuer diesen Blog-Beitrag gleich zu Beginn: Uns ist vollkommen bewusst, dass heute Sonntag ist!
Dies scheint uns ein untruegliches Zeichen dafuer zu sein, dass wir den Weg der Resozialisierung bereits eingeschlagen haben.
Jawohl, heute ist Sonntag der 14.06.09, keinesfalls gleichzusetzen mit einem Freitag oder gar einem Montag!
Soweit zu den sensationsverdaechtigen Beweggruenden dieses Textes, soweit die Beschreibung unserer inneren Haltung.

Sollte sich jemand weniger fuer den Stand unseres mentalen Rueckkehr-Prozesses intressieren, haben wir dafuer Verstaendnis. Solchen Lesern moechten wir gerecht werden, indem wir kurz aus unserem recht sorglosen, sonnigen Leben auf der Insel berichten. Morgens haelt uns wenig im Bett, fuehlen wir uns doch nach einer Nacht auf der steinharten, durchgelegenen Matraze nur wenig mit dieser verbunden. Oeffnen wir allerdings die Tuer unseres Bungalows, erschliesst sich uns jeden Tag aufs Neue, eine fast kitischg schoene Kulisse!
Durch das liebevoll angelegte tropische Gaertchen, erblicken wir hinter dem weissen Sandstrand das tuerkis schimmernde Meer.
Freudig begruesst uns unsere Haushuendin, die sich entschlossen unserem Schutz verpflichtet hat, mangels Flohband aber auf Streicheleinheiten verzichten muss. Die Huendin besitzt eine sympathische Zahnfehlstellung - wer uns kennt weiss, weshalb uns dies mit ihr verbindet. ;-)

Unsere verspannten Glieder versuchen wir jeweils abzulenken, indem wir uns noch vor dem Fruehstueck eine Weile unseren mehr oder weniger spannenden Lektueren hingeben. (Sollte uns jemand raten wollen, unsere verspannten Koerper besser mit Fruehsport am Strand zu lockern - sinnlos! Wir haben gerade Ferien! ;-) )

Hat uns unser morgendliches Verlangen nach Nahrung dann doch zu der 20 Minuten entfernten Nudel-Kueche getrieben, bereuen wir diese Ertuechtigung praktisch nie und geniessen ein blitzschnell zubereitetes Thai-Gericht.
Zurueck beim Bungalow schmieren wir unsere Koerper mit Produkten von Beiersdorf ein und richten uns mit Liegestuehlen am Strand ein. Anschliessend folgen Rituale, die sich jeden Tag in Laenge und Reihenfolge leicht unterscheiden. Lesen, baden, sonnen, frisch gefallene Kokosnuesse knacken und verspeisen, sowie kratzen.
Kratzen, ja! Derweil die Wolken naemlich weitgehend gewichen sind, hat uns ein weit nervenderes Uebel befallen. Sandfloehe! Die kleinen Biester sind nicht zu baendigen und die Bisse jucken tagelang aufs Unangenehmste.

Mittlerweile haben wir uebrigens herausgefunden, dass wir den Strand doch nicht ganz fuer uns alleine haben. Wir teilen ihn mit zwei anderen Paaren. Bei 12 Km Strand bleiben so aber immer noch 2 Km pro Person, fuer uns voellig i.O! ;-)


P.S.: Jaehrliche Todesfaelle durch fallende Kokosnuesse weltweit: 150.

Donnerstag, 11. Juni 2009

Koh Mak

Mittlerweile haben sich die Blog-Beitraege auf Papier etwas angesammelt, da weit und breit kein Internetzugang zu finden war. Obschon der Chef des Tourismusbueros stolz verkuendete, er sei selbst Blogger, waere er maximal bereit gewesen, uns seinen Buerocomputer fuers Mailchecken zur Verfuegung zu stellen... ;-)
Wer sich also einen chronologichen Ueberblick ueber unsere Feriengeschehnisse waren will, sollte mit dem Beitrag weiter unten beginnen.

Nach einigen weinigen, weiteren Verwirrspielen und kleinen Betruegereien der lokalen Transportbueros fanden wir dann tatsaechlich unseren Platz auf dem einzigen "Speed Boat" richtung Koh Mak.
Diesen Platz teilten wir uns mit der halben Inselbevoelkerung und deren Wocheneinkaeufe. Auf dem Boden lagen Schachteln voller Teakholzparkett fuer eine Resort Renovation, Saecke voller Fruechte, Stromkabel, sowie Zementsaecke fuer die Bungalows am Strand. In windeseile, leider nicht ganz so sanft, befoerderte uns dieses Hochgeschwindigkeits-Boot vorbei an Koh Chang und einigen winzigen Inseln auf unser ausgewaehltes Koh Mak. Einer der Bewohner nahm uns nach der Ankunft mit seinem Auto mit an den Strand und wir entschieden uns nach dem Abklappern verchiedener Optionen fuer einen Bungalow (Bretterverschlag) in erstklassiger Lage.

Der Bungalow befindet sich am weissen Sandstrand direkt am Meer. Momentan geniesst dieser Strand sogar den Namen "VIP Private Beach", da wir weit und breit die einzigen Gaeste sind, Wahnsinn!
Fuer den Preis, fuer den man in der Schweiz ein grosses (immerhin) Bier erhaelt, wird uns hier ein einfacher Bungalow mit Strom, einem Bad und neuem Moskitonetz zur Verfuegung gestellt. So wahrschinlich in keinem Reisekatalog der Welt...

Da das laute Geraeusch der Brandung beruhigend und einschlaefernd wirkt, bemerken wir kaum, dass das Bett fast so hart ist wie ein Brett.
Kurz nach dem erwachen machen wir, noch im Pyjama, einen Spaziergang am Strand, stets begleitet von einem Rudel Hunden, bei welchem wir kurz nach der Ankunft ungefragt zu den Anfuehrern erkohren wurden.

Diese treuherzigen Flohfaenger folgen uns auf Schritt und Tritt und keiner von ihnen, wuerde unsere hirarchische Postition in Frage stellen.
Wuerden sich jetzt noch die grauen Wolken verziehen, liesse sich dieses Fleckchen Erde kaum vom Paradies unterscheiden lassen.

P.S.: Bis jetzt haben wir auf unserer Reise in 64 verschiedenen Betten, einmal in einem Flugzeug, einmal auf einem Schiff, zwei Mal im Zug und drei Mal im Bus uebernachtet.